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GBH-BV Abg.z.NR Josef Muchitsch und der Tiroler Landesgeschäftsführer Christian Hauser GBH-BV Abg.z.NR Josef Muchitsch und der Tiroler Landesgeschäftsführer Christian Hauser

Viele Baufirmen aus dem Ausland zahlen zu wenig

Fälle von Lohndumping am Bau stiegen laut BUAK massiv an, Grund sind auch mehr Kontrollen. Gewerkschaft fordert daher noch mehr Prüfer.

Auch wenn der Lohn auf dem Lohnzettel offiziell stimmt, knöpfen ausländische Baufirmen den Arbeitern häufig zusätzlich Geld ab. 


Lohndumping am Bau bleibt nach wie vor ein großes Problem. Wie aus der Jahresstatistik der Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK) für 2017 hervorgeht, hat die BUAK heuer bis Ende April schon fast so viele Strafen aufgrund von Lohndumping beantragt wie im gesamten Jahr 2016, wie die Tiroler Tageszeitung berichtet. Auch die Zahl der von Lohndumping betroffenen Bauarbeiter liegt beinahe auf dem Niveau des Gesamtjahres 2016. Aufgeflogen sind hauptsächlich Firmen mit Sitz im Ausland.

Wurden im Gesamtjahr 2016 durch die BUAK-Kontrolleure knapp 1,9 Millionen Euro an Strafgeldern wegen Verstößen gegen das Lohn- und Sozialdumpinggesetz beantragt, waren es von Jänner bis Ende April 2017 bereits rund 1,7 Millionen Euro. Davon wurden 1,23 Millionen Euro wegen Unterentlohnung beantragt, knapp 450.000 Euro wegen Vereitelung von Kontrollen.

Kontrolliert wurden heuer bisher insgesamt knapp 2600 Firmen bzw. 10.100 Beschäftigte – davon rund 550 ausländische Firmen mit 2500 Arbeitnehmern. Anzeigen hagelte es gegen 81 Unternehmen, im Gesamtjahr 2016 waren es 208 – trotzdem ist die Zahl der von Lohndumping betroffenen Mitarbeiter bereits jetzt massiv gestiegen. Waren es im Gesamtjahr 2016 noch 686 Arbeitnehmer, die im Zuge von Lohndumping-Kontrollen der BUAK bei den Baufirmen aufflogen, sind es heuer bis Ende April bereits 554 Arbeitnehmer. Bei Kontrollen auf Tiroler Baustellen wurden vier Firmen mit insgesamt 13 Lohndumping-Fällen angezeigt.

Aufgeflogen bei BUAK-Kontrollen sind fast ausschließlich Baufirmen mit Sitz im Ausland, die bei Arbeiten in Österreich ihren Bauarbeitern zu wenig zahlten. Konkret wurde heuer bisher von den 58 angezeigten Baufirmen nur ein Unternehmen aus Österreich mit einem Arbeitnehmer belangt. Die Spitzenreiter: Bei elf Baufirmen aus Portugal stellten die Kontrollore in 179 Fällen Lohndumping fest. Aus Slowenien wurden 21 Unternehmen mit 61 Mitarbeitern erwischt, dahinter folgen Ungarn (33 Fälle in 9 Firmen) und die Slowakei (20 Fälle in 6 Firmen).

Als Grund für den starken Anstieg der Anzeigen wird die Aufstockung der BUAK-Kontrolleure und damit der Baustellen-Kontrollen genannt. Heuer wird das Kontrollpersonal der BUAK von 20 auf 40 Prüfer verdoppelt, finanziert wird das zusätzliche Personal vom Bund. Die BUAK ist eine sozialpartnerschaftliche Bauarbeiter-Kasse. Obmänner sind Bau-Holz-Gewerkschafter Josef Muchitsch als Arbeitnehmervertreter bzw. Bauinnungsmeister Hans-Werner Frömmel als Firmenvertreter.

„Die inländischen Verdachtsfälle sind sehr gering. Bei den Entsendungen aus dem Ausland schaut es dagegen nicht so toll aus. Hier hat sich die Situation nicht gebessert“, sagt Christoph Wiesinger, Bau-Referent der Wirtschaftskammer Österreich. „Wir gehen davon aus, dass durch die verstärkten Kontrollen die Furcht wächst, erwischt zu werden.“

Aus Sicht des Tiroler Bau-Holz-Gewerkschafters Christian Hauser beweise der starke Anstieg der Fälle als Folge der verstärkten Kontrollen auch eines: Die Dunkelziffer sei offenkundig sehr hoch. „Die Zahl der Kontrolleure muss deshalb weiter erhöht werden, denn die Kontrollen zahlen sich offenbar aus“, fordert Hauser. Ein Problem sei auch, dass Löhne am Lohnzettel offiziell zwar stimmen, die ausländischen Firmen aber ihren Arbeitern zusätzlich Geld abknöpfen würden, etwa für die Anfahrt. „Es ist daher häufig schwer nachvollziehbar, was den Arbeitern tatsächlich übrig bleibt“, sagt Hauser. Diesbezügliche Recherchen im Ausland seien nach wie vor fast unmöglich.


Link zum Beitrag in der Tiroler Tageszeitung, 29.05.2017: http://www.tt.com/wirtschaft/markt/13032440-91/viele-baufirmen-aus-dem-ausland-zahlen-zu-wenig.csp

 

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