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GBH
Gerhard Flatz (links), Gerd Oprießnig

GBH: Arbeiten darf nicht krank machen!

Bei der Hitze im Sommer ist Arbeiten am Bau kein Honigschlecken

Vorarlberg (GBH/ÖGB). Die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) zeigt bei einer bundesweiten Aufklärungstour in allen 9 Bundesländern bei Lokalaugenscheinen auf, was das neue Arbeitszeitgesetz der Bundesregierung für ArbeitnehmerInnen auf Baustellen für verheerende Auswirkungen hat. Die GBH hält dabei fest, dass flexible Arbeitszeiten nicht generell abgelehnt werden, eine Arbeitszeitflexibilisierung muss aber fair, vernünftig und auf Augenhöhe vereinbart werden.


„Für BauarbeiterInnen gibt es beim neuen schwarz-blauen Arbeitszeitgesetz keinen einzigen Vorteil. Stattdessen geht das Gesetz auf Kosten von Einkommen, Familie, Freizeit und der Gesundheit der Beschäftigten am Bau. Damit verliert das Arbeitszeitgesetz auch die Funktion als Schutzgesetz für die ArbeitnehmerInnen”, kritisiert GBH-Landesgeschäftsführer Gerhrard Flatz das neue Arbeitszeitgesetz.


„Neben der schweren körperlichen Arbeit, etwa bei extremer Hitze wie in den vergangenen Wochen, erhöht sich der Druck auf den Baustellen durch steigende Anforderungen an Arbeitstechniken, Arbeitsabläufe sowie Verarbeitung von Baustoffen und Materialien. Hinzu kommt der steigende Termindruck. Nun setzt die schwarz-blaue Bundesregierung noch eines drauf: Das neue ‚Husch-Pfusch‘-Arbeitszeitgesetz nimmt auf Branchen mit Schwerarbeit keine Rücksicht“, ergänzt GBH-Landesvorsitzender Gerd Oprießnig.


Griff in die Geldtasche


Beim bisherigen Arbeitszeitgesetz konnte die Arbeitszeit nur bei Bedarf und über Betriebsvereinbarungen bzw. Kollektivvertragspartner ausgeweitet werden. Beim neuen Arbeitszeitgesetz ab 1. September 2018 kann das nun der Arbeitgeber einseitig und kurzfristig auf Anordnung tun, ohne die Zustimmung des Betriebsrates, des Arbeitsinspektors und des Arbeitsmediziners einholen zu müssen. „Als wäre das nicht schon genug, wird den ArbeitnehmerInnen auch noch in die Geldtasche gelangt“, warnt Flatz. Zuschläge könnten demnach erst aber der 13. Arbeitsstunde angerechnet werden.


Laut neuer Regelung wird die Jahresarbeitszeit ausgedehnt. Bisher waren 320 Überstunden im Jahr möglich, nun sind es 416 jährlich. Das ergibt ein Plus von 96 Stunden und auf einen 8-Stunden-Tag umgerechnet 12 Freizeittage weniger bzw. 12 Arbeitstage mehr. Des Weiteren ermöglicht das neue Arbeitszeitgesetz an 208 Tagen im Jahr einen 12-Stunden-Tag, ohne notwendige zusätzliche Erholungszeiten. „Das ist für SchwerarbeiterInnen unzumutbar“, hält Flatz fest.


Arbeiten am Bau darf nicht krank machen


Gerd Oprießnig betont: „Sämtliche Arbeitsmediziner bestätigen, dass gerade BauarbeiterInnen durch einen 12-Stunden-Tag enormen Mehrbelastungen ausgesetzt sind. Die Unfallgefahr steigt bereits ab der 8 Stunde massiv an. Bei der zusätzlichen Belastung durch die Hitze im Sommer ist es unverständlich, warum die Bundesregierung bei ihrem neuen Gesetz nicht alleine schon aus gesundheitlichen Gründen zwischen den Branchen unterscheidet. Das gefährdet die Gesundheit der mehr als 300.000 Beschäftigten am Bau in Österreich und rund 8.000 in Vorarlberg.“


Oprießnig erinnert daran, wann die Hochsaison am Bau ist. „Natürlich jetzt im Sommer. Genau dann, wenn es körperlich am schwersten ist. Und genau jetzt werden sich durch das neue Gesetz die tatsächlichen Einsatzzeiten für viele BauarbeiterInnen auf bis zu 15 Stunden täglich und das von Montag bis Freitag bis zu 7 Wochen hintereinander erhöhen. Die unmenschliche Formel, 12 Stunden Arbeiten, 1 Stunde unbezahlte Pause plus 2 Stunden Fahrtzeit, wird gesetzlich ermöglicht“, kritisiert Oprießnig.


Druck auf verantwortungsvolle Unternehmer steigt


Die GBH warnt auch vor einer Wettbewerbsverzerrung durch die neue Arbeitszeitenregelung. „Bei zukünftigen Ausschreibungen werden erste Baufirmen mit einer 60-Stunden-Woche kalkulieren und somit verantwortungsbewusste und faire ArbeitgeberInnen noch stärker unter Druck setzen, nachzuziehen. Auch diese werden früher oder später gezwungen sein, dieses asoziale Arbeitszeitgesetz auf Kosten der Beschäftigten voll auszuschöpfen“, befürchtet Flatz.


Für Oprießnig und Flatz ist klar: Weniger Menschen werden in Zukunft noch mehr arbeiten müssen. Für das Image der Bauwirtschaft ist das neue Arbeitszeitgesetz ein großer Rückschlag und führt in der ständigen Image-Debatte um Nachwuchs – Stichwort Fachkräftemangel – zu einer noch schwereren Ausgangslage. „Wer will schon bei Hitzewellen mit 35 Grad und mehr bis zu 15 Stunden täglich im Arbeitseinsatz sein? Kurz, Strache und ihre Abgeordneten wissen nicht, was sie den Beschäftigten mit diesem – von der Industriellenvereinigung be- und erstellten Gesetz – antun”, lädt Flatz die politischen Verantwortlichen zum Besuch auf einer Baustelle bei 35 Grad ein.

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