ÖGB-Foglar: Stärkung von Arbeitnehmerrechten ist Garant für Wohlstand
Genf (OTS/ÖGB) - "Nur durch verbindliche und überprüfbare Normen
auf Basis der Beschlüsse der Internationalen Arbeitsorganisation
werden wir menschenwürdige Arbeit weltweit zur Realität machen,"
sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar vor dem Plenum der 101.
Internationalen Arbeitskonferenz der Internationalen
Arbeitsorganisation (ILO) heute Nachmittag in Genf. "Menschenwürdige
Arbeit erreichen wir nicht durch Appelle, freiwillige Maßnahmen in
Unternehmen oder Corporate Social Responsibility Programme."++++
Der ÖGB-Präsident befasste sich in seiner Rede mit den Themen
Jugendarbeitslosigkeit und Gewerkschaftsrechte. "Die
Jugendarbeitslosigkeit hat alarmierende Ausmaße erreicht. Laut
Internationalem Arbeitsamt waren 2011 vier von zehn Arbeitslosen
junge Männer oder Frauen. In 22 von 48 Industrieländern ist jeder
vierte Jugendliche arbeitslos, und immer mehr junge Menschen werden
in den informellen Arbeitsmarkt gedrängt oder erreichen mit Mühe Jobs
von schlechter Qualität und geringer Bezahlung", berichtete Foglar.
In Österreich sei es der Regierung und den Sozialpartnern gemeinsam
gelungen, die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen im internationalen
Vergleich niedrig zu halten. Die Umsetzung der Forderung des ÖGB und
seiner Jugendorganisation nach einer Fachkräftemilliarde würde
ebenfalls Ausbildungsplätze und in Folge Jobs für Junge schaffen.
Foglar: "Aber auch die Europäische Ebene ist gefragt. Wir brauchen
einen Wachstumspakt, der der Jugend Europas endlich wieder
Zukunftsperspektiven gibt."
Mit besonderer Sorge verfolgen die österreichischen Gewerkschaften
anhaltende Verletzungen von fundamentalen Grundsätzen und Rechten am
Arbeitsplatz. "Vereinigungsfreiheit, das Recht auf
Kollektivverhandlungen oder das Streikrecht werden immer wieder -
auch in Staaten der Europäischen Union, verletzt", so Foglar.
"Unausgewogene Sparmaßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise in
Europa gehen in vielen Fällen zu Lasten der ArbeitnehmerInnen und
ihrer Rechte." Besonders hart sei Griechenland getroffen worden,
kritisierte Foglar das Vorgehen der EU-Troika. Hilfskredite seien mit
der Senkung des Mindestlohns und mit Eingriffen in das
Tarifvertragsrecht verknüpft gewesen, darüber hätte sich auch die
Mission der ILO im September 2011 besorgt gezeigt. Foglar: "Nicht die
Einschränkung, sondern gerade die Stärkung von Arbeitnehmerrechten
ist der Garant für Wohlstand und sozialen Frieden in Europa und
global."
INFO
Die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour
Organization - ILO) ist eine Sonderorganisation der Vereinten
Nationen, ihre Aufgabe ist es, internationale Arbeitsnormen zu
entwickeln und zu kontrollieren. Die ILO ist die einzige "tripartite"
UNO-Organisation, in ihr versammeln sich Vertreter von Regierungen,
Unternehmen und ArbeitnehmerInnen, um gemeinsam Politik und Programme
zu entwickeln, die menschenwürdige Arbeit für alle zum Ziel haben.
www.ilo.org
