Zielgruppen für Lehre müssen nicht erst gefunden werden: 10.000 Jugendliche warten in der ÜBA
Wien (OTS/ÖGB) - Die Idee von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, "neue Zielgruppen für die Lehre zu erschließen und die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu verringern", findet volle Zustimmung der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). "Allerdings müssen nicht zusätzliche Jugendliche als Zielgruppe erschlossen werden, denn die sind schon da: 10.000 sind derzeit in der überbetrieblichen Berufsausbildung untergebracht, und sie alle stehen sofort als Zielgruppe für betriebliche Lehrstellen zur Verfügung", sagt ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr.
Neue Zielgruppen für die Lehrausbildung zu erschließen gilt es allerdings auf der Seite der Unternehmer: "Die Ausbildungsverweigerer werden immer mehr, nur mehr 20 Prozent bilden Lehrlinge aus", kritisiert Michlmayr, "wenn Minister Mitterlehner sein Ziel steigender Lehrabschlüsse ernst nimmt, muss er das ÖGJ-Konzept für eine Fachkräftemilliarde umsetzen." Demnach müssten alle Unternehmen ein Prozent der Bruttolohnsumme in einen Topf einzahlen, aus dem dann Förderungen für ausbildende Betriebe bezahlt werden. "Das Konzept umfasst auch eine Qualitätsoffensive - die wäre das geeignete Mittel für Mitterlehners Ziel, die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu verringern", sagt Michlmayr.
Fachkräftemilliarde - das Konzept der ÖGJ:
Zur fairen Finanzierung der Lehrlingsausbildung fordert die Österreichische Gewerkschaftsjugend eine Fachkräftemilliarde. Ein Prozent der Bruttoentgeltsumme soll von den Unternehmen eingehoben werden. 2009 wären so aus der Lohnsumme der Vollzeitbeschäftigten 756,2 Millionen Euro zur Verfügung gestanden. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten mit, kommt man auf eine Milliarde Euro für die Fachkräfte-Aus- und Weiterbildung - Mehreinnahmen von 850 Millionen Euro im Vergleich zum derzeitigen Modell, wonach die Betriebe in den Insolvenzfonds Geld für die Lehrstellenförderung einzahlen. Geld aus der Fachkräftemilliarde soll dann an jene (derzeit gerade 20 Prozent der) Unternehmen fließen, die Lehrlinge ausbilden. Außerdem sollen aus der Fachkräftemilliarde die Plätze in überbetrieblichen Ausbildungsplätzen finanziert werden, die derzeit der Bund (über das AMS) finanziert. Ersparnis für die SteuerzahlerInnen: 150 Millionen Euro pro Jahr. "Wir erwarten aber auch, dass wegen der Förderungen künftig mehr Unternehmen selbst ausbilden und daher weniger Plätze in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen notwendig sein werden", sagt Michlmayr.
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