Bauarbeiter schaffen "ihre" Schwerarbeitspension nicht!
„Gesund Arbeiten – gesünder in Pension!” ist das Ziel der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH). Anlässlich einer Österreich-Tour präsentierte die GBH ein 7-Punkte-Programm. In Graz wurde zum Abschluss Bilanz gezogen und die nächsten Schritte vorgestellt!
Kaum ein BAU-HOLZ Arbeiter schafft es in die Schwerarbeitspension! Laut Experten müssen wir aber länger arbeiten, damit das Pensionssystem weiter finanzierbar bleibt. In manchen Berufsgruppen ist das unmöglich und unrealistisch. Was notwendig ist, um auch als Schwerstarbeiter gesünder in Pension gehen zu können, zeigt das 7-Punkte-Programm der GBH. Schwer arbeitende Menschen sind ab dem 50. Lebensjahr körperlich oft schon so „kaputt", dass sie in die Frühpension „fliehen“ müssen. Dass ÖVP-Politiker ein Arbeiten bis 67 und Teile aus der FPÖ höhere Abschläge bei Frühpensionen fordern, ist eine Verhöhnung aller schwer arbeitenden Menschen.
Erst mit 67 in Pension – für Bauarbeiter ein Hohn!
„Realitätsfremde und ideenlose Forderungen wie ‘Arbeiten bis 67’ bestimmen leider die Berichte rund um das Thema Pensionen. Da schauen wir als Gewerkschaft Bau-Holz nicht mehr länger zu. Menschen die schwer arbeiten, müssen belohnt und nicht bestraft werden”,ärgert sich der Bau-Holz Chef und Abg. z. NR Josef Muchitsch über die aktuelle Diskussion.
„Ob bei Tropenhitze oder Kälte – unter extremen Bedingungen machen unsere Bauarbeiter ihren täglichen Job. Gesundes Arbeiten, um auch gesund in Pension gehen zu können, muss daher Gebot der Stunde für alle politisch Verantwortlichen und unsere Sozialpartner sein", fordert Andreas Huss, MBA, Experte der GBH für Arbeitnehmerschutz- und Gesundheitsfragen.
Fakt ist: Schwer arbeitende Menschen gehen nicht freiwillig in Frühpension, sondern gesundheitliche Auswirkungen aus ihrem Arbeitsleben zwingen sie dazu. Viele Schwerarbeiter schaffen es gesundheitlich nicht, mit dem 60. Lebensjahr die Schwerarbeitspension zu erreichen. Des Weiteren werden ältere Arbeitnehmer oft gekündigt, sobald sie gesundheitlich angeschlagen sind. Sogenannte Invaliditäts-Pensionisten beziehen ihre Pension 10 Jahre kürzer als Personen in Alterspension.
Muchitsch: „Nur 6 von 10 Betroffenen bekommen eine Frühpension. Die restlichen werden zwischen Krankenkasse und AMS oft auch jahrelang hin- und hergeschoben. Dabei geht es auch um tausende Familien, welche nicht wissen, wie sie mit einem Arbeitslosengeld von durchschnittlich 31,40 Euro pro Tag überleben können. Es ist nicht fair, hier von Sozialschmarotzern zu sprechen!”
Mag. Herbert Aufner, Bundesgeschäftsführer der GBH, appelliert an alle Verantwortlichen: „Lediglich 1.000 von unseren 130.000 aktiven Bauarbeitern in Österreich sind mit 60 Jahren noch aktiv auf Baustellen. Menschen gesund in Beschäftigung zu halten, muss eine moralische und soziale Verpflichtung für Unternehmer sein. Wir brauchen die Wirtschaft als Partner und nicht als Gegner. Menschen zu bestrafen, weil sie aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig sind, ist der falsche Weg! Unsere Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch.”
Das 7-Punkte-Programm der Gewerkschaft Bau-Holz
1. Gesundheitschecks und Gesundheitsschulungen! Die Kosten sind von der öffentlichen Hand und den Arbeitgebern zu tragen. Studien belegen, dass ein Bauarbeiter durchschnittlich 10 Tonnen Baumaterial pro Tag manuell durch Heben und Tragen bewegt.
2. Mehr Angebote und Chancen auf Aus- und Weiterbildung! Höhere Qualifikation steht auch für eine bessere Gesundheit.
3. Überstundenregelung einhalten! Höhere Strafen, wenn das Arbeitszeitgesetz nicht eingehalten wird. Bis zu 15 Stunden Arbeit am Tag sind Realität. Öffentliche Aufträge und Bauprojekte mit öffentlichen Förderungen müssen dabei Vorbildwirkung übernehmen – 10 Stunden Arbeit am Tag sind genug.
4. Recht auf Urlaub! Verbrauch von Alturlauben muss gesetzlich vorgeschrieben werden. Der Urlaub muss zur Erholung verbraucht anstatt angespart werden.
5. Krankheit auf Grund von Schwerarbeit nicht bestrafen! Sinnvolle und realistische Überbrückungsmodelle für alle, die es gesundheitlich nicht schaffen, eine Schwerarbeitspension zu erreichen.
6. Schlechtwetterregelungen müssen die Gesundheit schützen! Zum Arbeiten im Freien bei Kälte, Hitze und anderen Umwelteinflüssen brauchen wir klare gesetzliche Regelungen zum Schutz der Gesundheit unserer Arbeitnehmer im Schlechtwetterentschädigungsgesetz und der Bauarbeiterschutzverordnung. Im Gegenzug soll es keine Pönalen bei Verzögerungen von Baufertigstellungsterminen durch Schlechtwettertage für die Arbeitgeber geben.
7. Bewusstsein schaffen! „Gesünder in Pension!” ist eine Win-Win-Situation für den Staat, Sozialversicherungsträger, Arbeitgeber und die Arbeitnehmer: Mehr Einnahmen durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, Fachkräfte stehen gesünder zur Verfügung und höhere Pensionen für die Schwerarbeiter.
Derzeit beträgt die Netto I-Pension durchschnittlich 1.017 Euro im Monat - kein Anreiz für einen Bauarbeiter, in die Pension zu "flüchten". Zwei Jahre gesund länger am Bau würde eine Schwerarbeitspension in der Höhe von netto 1.380 Euro monatlich bedeuten. Das sind immerhin um 363 Euro mehr im Monat und 5.082 Euro mehr im Jahr. Nicht einmal ein Prozent von den derzeit 130.000 Bauarbeitern schafft es, mit 60 noch zu arbeiten – nur 1.136 sind in Beschäftigung. Unsere Bauarbeiter sollen eine Chance bekommen, ihre Schwerarbeitspension zu erreichen. All jene, die anderer Meinung sind, laden wir gerne ein, auch nur einen Tag auf einer Baustelle mitzuarbeiten. Dann würden sie ihre Meinung darüber sicher ändern!
Zwtl: Wie geht es nun weiter?
Muchitsch: „Es hat bereits erste Gespräche mit unserem Bausozialpartner über die Umsetzung der Vorschläge gegeben. Über den Sommer soll nun berechnet werden, was die einzelnen Maßnahmen kosten würden. Ab September gehen die Verhandlungen weiter. Nach einer Einigung finden weitere Gespräche mit der öffentlichen Hand betreffend eine Umsetzung unserer Vorschläge statt!“
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