ÖGB: Gesundheit fördern, nicht Kranke bestrafen
Wien (OTS/ÖGB) - "Es ist unerträglich, wie VertreterInnen der
Wirtschaft, leider aber auch des Arbeitnehmerbundes, in den
vergangenen Tagen kranke Menschen pauschal als Schwindler
verunglimpfen", kritisiert ÖGB-Präsident Erich Foglar und nennt als
beschämenden Höhepunkt eine Bericht in der heutigen Ausgabe eines
Kleinformates. "Die Krankenstände gehen insgesamt zurück, und wir
wissen, dass viele Menschen aus Angst um den Arbeitsplatz auch krank
in die Arbeit gehen."++++
"Ideen wie den ersten Krankenstandstag nicht zu bezahlen oder
Beschäftigte, die vor und nach einem Wochenende krank sind,
nachzuspionieren, sind weder neu, noch sind sie sinnvoll, und schon
gar nicht sind sie gerechtfertigt", kritisiert Foglar weiter.
Derartige Aussagen würden nicht dazu beitragen, den Arbeitsdruck, der
ohnehin schon enorm sei, zu verringern, im Gegenteil. Foglar:
"Arbeitsdruck und Arbeitstempo nehmen ständig zu, darunter leidet
natürlich die Gesundheit, physisch wie auch psychisch. Immer mehr zu
verlangen und obskure Ideen wie Teilkrankenstände zu verbreiten, wird
einzig und allein bewirken, dass die Menschen nicht bis zum
gesetzlichen Pensionsantrittsalter arbeiten können, so verursacht man
wissentlich Burnout und Frühpensionen."
Die Unternehmen und ihre Vertretung sollten sich, so Foglar, lieber
Gedanken über betriebliche Gesundheitsförderung machen, hier gebe es
schon sehr viele gute Beispiele, die man nur umsetzen müsse. "Jeder
in diesen Bereich investierte Euro kommt vielfach zurück. Gesunde
Arbeitsbedingungen, ein gutes Betriebsklima, gut geplante
Arbeitsabläufe, all das kann dazu beitragen, Krankenstände zu
verringern." Die Idee des Wirtschaftsbundes, den ersten
Krankenstandstag nicht zu bezahlen, sei laut Foglar keine taugliche
Lösung, "wir lehnen das ab."
Zu heutigen Medienberichten hält Foglar fest, dass derartige
pauschale Verunglimpfungen mit Journalismus nichts mehr zu tun
hätten, er kritisiert außerdem die ebenso pauschale Unterstellung,
die Ärztinnen und Ärzte würden mit den \x{2588}Schwindlern\x{2588} unter einer
Decke stecken. "Wir sehen es sehr wohl als Aufgabe des Journalismus,
Missstände aufzuzeigen. Hetzkampagnen gegen Kranke tragen dazu
allerdings nichts bei."
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Nani Kauer, MA
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OTS0193 2012-04-25/12:37
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