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"Zukunft der Arbeit" - Probleme mit Mitbestimmung und Mitgestaltung

Foglar und Kaske: Rechte der Beschäftigten ausbauen - Sparen bei Technologie-Einführung bringt "Technik-Stress" - Zukunftsjobs im "Job-Futoromat"

Wien (APA) - Bei einer Fachkonferenz im Bildungszentrum der Arbeiterkammer (AK) in Wien haben sich heute Donnerstag über 250 Arbeitnehmervertreter versammelt, um über die Zukunft der betrieblichen Mitbestimmung in Zeiten der Digitalisierung der Arbeitswelt zu diskutieren. Für eine gerechte Gestaltung diese umfassenden Wandels der Arbeitswelt traten ÖGB-Präsident Erich Foglar und AK-Präsident Rudolf Kaske ein.

   "Digitalisierung verändert unser gesamtes Leben und damit auch unsere Arbeitswelt" ist ÖGB-Präsident Foglar überzeugt. "Technologische Veränderungen fallen aber nicht vom Himmel, sondern können aktiv gestaltet werden" betont er, deshalb sei es für die Gewerkschaft von größter Bedeutung, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesen Prozess von Anfang an eingebunden werden. "Vorhandene Mitbestimmungsrechte müssen eingehalten und ständig an neue Herausforderungen angepasst werden", so Foglar. Der technologische Wandel habe auch eine sozialpolitische Dimension. "Die gewerkschaftlichen Grundwerte Verteilungsgerechtigkeit, Chancengleichheit, Mitbestimmung und soziale Sicherheit müssen auch in der digitalen Welt der Zukunft ihren Platz haben", fordert Foglar.

   Für AK-Präsident Kaske steht die Modernisierung des Mitbestimmungsrechts im Vordergrund. Während man in der Freizeit weitgehend selbst bestimmen könne, in welchem Ausmaß man sich mit neuen Technologien beschäftige, gehören im der Arbeitswelt die technischen Entwicklungen zum Alltag. Die Veränderungsprozesse für die Arbeitnehmer werden immer intensiver. Die AK fordert daher bessere Werkzeuge für die Belegschaftsvertreter, um die Interessen der Beschäftigten wahren zu können. Dazu gehören etwa die Ausweitung des Geltungsbereiches des Arbeitsverfassungsgesetzes genauso wie verstärkte Mitbestimmung in Aufsichtsorganen und anderen Gremien oder die Stärkung der Handlungsressourcen für Belegschaftsvertreter. Die heutige Konferenz wird vom ÖGB, den Fachgewerkschaften GPA-djp, Pro-Ge, Younion und vida mit der Arbeiterkammer Wien veranstaltet.

   Für den Soziologen Jörg Flecker kann der digitale Wandel der Arbeitswelt in verschiedene Richtungen gehen. Für die Arbeitenden wäre eine Vereinheitlichung der Beschäftigungsformen und der sozialen Rechte wichtig: "Arbeit ist Arbeit, und Arbeit ist mit Rechten verbunden", sagte er. So habe in Österreich der "Freie Dienstvertrag", der in die Sozialversicherungspflicht eingebunden ist, geholfen, eine breite Umgehung der Arbeitnehmerrechte zu verhindern. Insbesondere beim Einsatz von Technik entscheide die Personalbemessung über den Leistungsdruck. Bei neuen Arbeitsformen wie Crowdworking werde der Arbeitende durch das Rating der "Kunden" ständigem Druck ausgesetzt. Wenn die Reaktionszeit auf eine Anfrage gemessen werde und in das Rating einfließe, führe das zu Arbeit auch in der Nacht und am Wochenende. Der immer laufende Verteilungskampf um Ergebnisse der Arbeit, Reichtum in der Gesellschaft, werde entscheiden, wie die Zukunft der Arbeit konkret aussehen wird, so der Universitätsprofessor.

   Der Meinungsforscher Georg Michenthaler vom IFES schilderte, dass laut Umfragen die Betriebsräte in Unternehmen kaum über neue Technologien bzw. deren Einführung mitentscheiden. Ein Teil der Betriebsräte werde gar nicht von der Einführung neuer Technologien informiert. Grundsätzlich sei die Einstellung der meisten Betriebsräte gegenüber neuen Technologien positiv, wesentlich skeptischer seien sie aber betreffend der Umstellungen im eigenen Unternehmen.

   Manuela Maschke von der deutschen gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung verwies auf die Probleme, wenn gleichzeitig neue Technologien eingeführt und gespart werde. Zu wenig Techniker, die die Einführung begleiten, und schlecht angepasste Geräte führten bei den Arbeitenden zu zusätzlichem "Technik-Stress". Problematisch sei die Einengung der "Kern-Belegschaft", während die Beschäftigten am Rand des Betriebs immer mehr würden. Laut einer deutschen Studie werden Berufe mit hoher Routine künftig weniger Jobs bieten, Berufe mit weniger Routine werden hingegen mehr gebraucht. Zukunftsjobs seien demnach in der IT, in den Naturwissenschaften, am Bau, sowie alle Berufe, wo es um persönliche Dienstleistungen gehe, wie etwa Lehrer, Gesundheits- und Pflegeberufe, Gastronomie und Sicherheitsdienste. Wer sich über die Zukunftschancen des eigenen Berufs informieren will, kann dies online beim "Job-Futoromat" nachschauen.

Die Gewerkschaft Bau-Holz in
den Bundesländern...