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GBH
Steiner Bau Betriebsratsvorsitzender Armin Geissler (links) und GBH Landesgeschäftsführer Alois Peer (rechts) warnen: „Arbeit darf nicht krank machen“.

GBH Kärnten: Arbeiten darf nicht krank machen!

Arbeitszeitgesetz neu: Keine Rücksicht auf Schwerarbeit

Im Zuge einer bundesweiten Aufklärungstour übt die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) Kärnten scharfe Kritik am neuen Arbeitszeitgesetz „Hier wurde ein Husch-Pfusch-Gesetz beschlossen, das unmenschliche Arbeitszeiten am Bau bei glühender Hitze gesetzlich möglich macht“. Gerade Bauarbeiter sind durch einen 12-Stunden-Tag enormen Mehrbelastungen ausgesetzt. Die Gewerkschaft warnt vor steigender Unfallgefahr und davor, dass verantwortungsvolle Unternehmen künftig stärker unter Druck geraten.

„Das neue Arbeitszeitgesetz nimmt keine Rücksicht darauf, ob Beschäftigte in einem klimatisierten Büro sitzen, oder bei über 30 Grad unter freiem Himmel arbeiten müssen“, kritisiert GBH-Landesgeschäftsführer Alois Peer im Rahmen eines Lokalaugenscheins auf einer Baustelle im Raum Klagenfurt. 

Unzumutbare Arbeitszeiten für Bauarbeiter
Beim bisherigen Arbeitszeitgesetz konnte die Arbeitszeit nur bei Bedarf und über Betriebsvereinbarung bzw. Kollektivvertragspartnern ausgeweitet werden. Notwendige Erholungsphasen nach schweren Einsatzzeiten wurden vereinbart. Beim neuen Arbeitszeitgesetz kann das nun der Arbeitgeber einseitig auf Anordnung tun. „Es bedarf künftig keiner Zustimmung des Betriebsrates, des Arbeitsinspektors oder des Arbeitsmediziners. Aus ist es mit den Fristen für eine Vorankündigung der Mehrarbeit und die Zuschläge werden – da sie nicht vereinbart wurden – niedriger“, fasst Peer zusammen. Waren bisher 320 Überstunden im Jahr möglich, so sind es nun 416 jährlich. „Das ergibt ein Plus von 96 Stunden und auf einen 8-Stunden-Tag umgerechnet 12 Freizeittage weniger“, rechnet Peer vor.  Weiters ermöglicht das neue Arbeitszeitgesetz an 208 Tagen im Jahr einen 12-Stunden-Tag, ohne notwendige zusätzliche Erholungszeiten.

Sommer ist Hochsaison am Bau
„Es ist unbegreiflich, wie die Bundesregierung etwas derart Unmenschliches beschließen konnte. Für Bauarbeiter gibt es beim neuen schwarz-blauen Arbeitszeitgesetz keinen einzigen Vorteil“, zeigt sich Peer fassungslos. „Man muss sich nicht gut auskennen um zu wissen, dass natürlich im Sommer Hochsaison am Bau ist. Durch das neue Gesetz werden sich die Einsatzzeiten für viele Bauarbeiter auf bis zu 15 Stunden täglich – und das von Montag bis Freitag bis zu sieben Wochen in Folge erhöhen. 12 Stunden auf einer Baustelle arbeiten, eine Stunde unbezahlte Pause und zwei Stunden Fahrtzeit – so schaut dank der neuen Regierung die Zukunft der Bauarbeiter aus“, so Peer weiter.

Enorme Mehrbelastungen für Bauarbeiter
Das mit 1. September in Kraft tretende neue Arbeitszeitgesetz geht laut Armin Geissler, Betriebsratsvorsitzender der Firma Steiner Bau, nicht nur auf Kosten der Einkommen, der Freizeit und der Familien, sondern birgt gerade für Bauarbeiter schwerwiegende gesundheitliche Risiken. „Durch einen 12-Stunden-Tag sind Bauarbeiter enormen Mehrbelastungen ausgesetzt. Bereits ab der 8. Stunde steigt die Unfallgefahr massiv an. Zusätzlich belastet durch immer häufiger auftretende Hitzewellen, wird hier hemmungslos die Gesundheit der rund 13.400 Bauarbeiter in Kärnten aufs Spiel gesetzt“, so Geissler weiter.

Faire Arbeitgeber unter Druck
Nicht vermeiden lassen wird sich, dass nun auch verantwortungsvoll handelnde Arbeitgeber verstärkt unter Druck geraten werden. Die Gewerkschaft warnt vor einem schnell eintretenden Dominoeffekt. „Es wird nicht lange dauern, wenn bei zukünftigen Ausschreibungen die ersten Baufirmen mit einer 60-Stunden-Woche kalkulieren und jene, die sich bisher verantwortungsvoll gegenüber den Beschäftigten verhalten haben, gezwungen sein werden, mitzuhalten“, so der GBH Landesgeschäftsführer.

Arbeitszeitgesetz verschärft Fachkräftemangel
Die Bauwirtschaft erleide durch das neue Arbeitszeitgesetz jedenfalls einen schweren Imageverlust. „Dem Fachkräftemangel wird die Bundesregierung mit diesem Gesetz jedenfalls nicht entgegenwirken. Wer will schon bei über 35 Grad bis zu 15 Stunden täglich im Arbeitseinsatz sein? Flexible Arbeitszeiten sind okay, diese müssen aber fair, vernünftig und auf Augenhöhe vereinbart werden“, so Peer abschließend.

 

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